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Das Mysterium von Jack the Ripper

Mysterium Jack the Ripper

 

Es ist das Jahr 1888. Wir befinden uns im Londoner Stadtteil East End, Whitechapel, dem Armutsviertel, in dem hauptsächlich Immigranten und Arbeitslose ihr Dasein fristen. Frauen sind gezwungen, sich durch Prostitution etwas dazu zu verdienen und Gewalt gegen diese Damen des horizontalen Gewerbes ist an der Tagesordnung. Auch Todesfälle sind traurigerweise beinahe „normal“ ... 

Im denkwürdigen Jahr 1888 trieb im sogenannten „Autumn of Terror“, dem Herbst des Terrors, ein Serienkiller sein Unwesen. Die Bevölkerung nannte ihn zunächst „The Knife“ oder „Leather Apron“, bevor er sich selbst durch seine Bekennerschreiben an die Polizei, dem berühmten „Dear Boss“-Brief den Namen „Jack the Ripper“ gab. Von diesem Schreiben wurde hinterher allerdings behauptet, dass es eine Finte der Presse sei, die dadurch die Auflagen in die Höhe schrauben wollten. Diese Aussage wurde später wieder zurückgezogen …

Wie viele Frauen tatsächlich auf das Konto des Rippers gehen, ist nicht bekannt. Die meisten Forscher zählen nur die Leichen von August bis September 1888 dazu, wobei es sich um 6 Prostituierte handelt, von denen meist die Erste, Martha Tabram, nicht mitgezählt wird und die restlichen als „die Kanonischen Fünf“ bezeichnet werden. 

 

Sie alle wurden vom Ripper aufgeschlitzt und ausgeweidet, mit jedem Opfer wurden die Verstümmelungen gravierender. Das letzte Opfer, Mary Jane Kelly, war im Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerschnitten und ihre Innereien im Zimmer verteilt. Einige waren auf dem Tisch aufgereiht, manche Organe fehlten. Der Täter hatte ihr sogar die Brüste abgetrennt. So schlimm hatte er noch nie gewütet. Sie war darüber hinaus die Erste der Opfer, die in einem verschlossenen Zimmer (!) getötet wurde, alle anderen waren dem Ripper auf der Straße zum Opfer gefallen.

Die Polizei war relativ hilflos. Erst 60 Jahre zuvor war die Metropolitan Police gegründet worden, doch eine Ausbildung zum Polizisten gab es nicht. Moderne Ermittlungsmethoden waren ebenfalls Fehlanzeige. Die Männer waren lediglich mit einer Trillerpfeife, einem Schlagstock und einer trüben Laterne ausgerüstet, in deren Licht man im stickigen Industrienebel dennoch nicht die Hand vor Augen sehen konnte. 

Tapfer wurden dennoch Haus-zu-Haus-Befragungen durchgeführt und über 200 Verdächtigen auf den Zahn gefühlt. Ergebnislos. Erschwerend kam hinzu, dass die meisten Personen in dem berüchtigten Stadtteil nichts mit der Polizei zu tun haben wollten. Sie gaben vor, nichts gesehen oder gehört zu haben. Andere wiederum wollten sich wichtig tun und brachten erfundene Geschichten hervor, die völlig haltlos waren. Das trug wirklich nicht dazu bei, den Täter zu finden. Vor allem, da die Täterbeschreibungen teilweise gravierend voneinander abwichen und daher auch keine Hilfe waren.

Damals befanden sich viele Juden in Whitechapel, die hauptsächlich als Schuster/Schuhmacher arbeiteten und daher im Besitz von scharfen Messern für die Lederbearbeitung waren. Vom Ripper wurde daraufhin vermutet, dass er auf jeden Fall ein Jude war, der die Frauen mit einem solchen Messer getötet hatte. Uneinig waren sich die Ermittler darüber, ob der Ripper chirurgische Kenntnisse besaß oder nicht. 

Die Untersuchungen wurden von verschiedenen seltsamen Umständen begleitet, da einige Personen verdächtig waren und manche Angehörigen sogar dachten, ihre Söhne oder Neffen seien der Ripper. Warum hätten sie das sagen sollen? Sogar der Neffe eines Polizisten geriet in Verdacht. Thomas Cutbush wurde in die Psychiatrie verfrachtet, sein Polizistenonkel beging Selbstmord, weil er angeblich nicht damit leben konnte, dass sein Neffe der Ripper war. Wie sich herausstellte, war die gesamte Familie psychisch instabil und Cutbush nicht der Ripper.

Die Polizei sorgte dafür, dass viele Verbrecher entweder in der Psychiatrie landeten oder zum Glück wegen anderer nachweisbarer Verbrechen dingfest gemacht und hingerichtet werden konnten. Es wurde dann nach dem Tod an Mary Jane Kelly vermeldet, dass es keine weiteren Morde mehr gegeben hätte und der Ripper zur Strecke gebracht worden war. Das war so leider nicht richtig. Denn es gab auch weiterhin ermordete Prostituierte! 1889 wurden beispielsweise auch zwei Leichen gefunden, von denen nur noch der Torso übrig war. 

Hatte der Ripper also seine Methode schrittweise verfeinert und nach der Entnahme der Organe auch noch die Gliedmaßen abgetrennt? Ob Absicht oder nicht: Die Polizei erklärte die Mordserie für beendet und hatte mehrere angebliche Täter zur Strecke gebracht. Aber hatten sie wirklich den Ripper gefunden? Nicht einmal in Polizeikreisen war man sich einig, wer der Ripper gewesen war. Einige Polizisten hatten Jahre später ihre Erlebnisse und Memoiren in Buchform niedergeschrieben und machten interessante Randbemerkungen – doch jeder präferierte einen anderen Ripper!

Auch heute noch, nach über 150 Jahren, hat der Fall nichts von seiner Faszination eingebüßt. Es gibt Forscher, die sich seit über 20 oder 30 Jahren dem Mysterium „Ripper“ verschrieben und jede Menge Zeit und Geld in die Lösung des Falles investiert haben. Immer wieder treten Forscher vor und geben bekannt, dass sie jetzt endlich den richtigen Ripper entlarven konnten. Dummerweise entlarvt jeder von ihnen einen anderen Ripper!!! Hinzu kommen unzählige „Verschwörungstheorien“, die sogar Prinz Edward (Prince Albert Victor Christian Edward, Duke of Clarence and Avondale) als Ripper ins Spiel bringen. Eine sehr beliebte Theorie, die leider nie bewiesen werden konnte.

 

Welche Fakten sind also glaubwürdig?

Wer ist auf der richtigen Spur?

Lassen sich überhaupt noch hilfreiche Informationen finden, um den Fall endgültig zu lösen? 

 

Ein Beitrag von Daniela Mattes aus Ihrem aktuellen Buch und Forschungsprojekt   „Jack the Ripper 2018“ 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Henri Stall (Donnerstag, 24 Januar 2019 22:24)

    Jack the Ripper ist ein spannendes Thema ! Ich werde mir das Buch kaufen und bin gespannt wie es hier weitergeht

  • #2

    Schwurbler (Donnerstag, 24 Januar 2019 22:25)

    Wieder ein Buch mehr - naja vielleicht machts ja Sinn