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„Ins Closter Göß geherig“ – eine Studie zur Gösser Stiftsbibliothek

Nach der Aufhebung der Abtei Göss am 21. März 1782 unter der letzten Gösser Äbtissin Maria Gabriela Freiin Schaffmann (1724 bis 1801, Äbtissin von 1779 bis 1782) erfolgte die Zerstreuung des Buchbestandes des ältesten Klosters der Steiermark.

 

Die Fragestellung lautet:  Gab es in der Benediktinerinnenabtei Göss eine Bibliothek oder gar ein Skriptorium?

 

Die Ausgangssituation – wozu der Aufwand eine Bibliothek zu verschweigen:

Die Nachrichten über die Bibliothek des Stiftes Göss sind spärlich. Kurze Nennungen darüber finden sich in den Visitationsprotokollen der Jahre 1655, 1662 und 1727 und hierin werden die Sitftsdamen Hedwig Florentina Adler, Francisca Adler und Gertrud Maschwander als jeweilige „Bibliotheksmeisterin“ genannt. Zur Zeit der Aufhebung des Klosters im März 1782 wurde dieses hohe und verantwortungsvolle Amt von der Stiftsdame Maria Henrica Gräfin Althan (1735 bis 1816, Profess im Jahre 1755) bekleidet. Das Gösser Professbuch nennt zudem noch die Stiftsdamen Maria Afra Gräfin Petschowitsch (1637 bis 1706) im Jahre 1695 als Bibliothekarin und als Vorgängerin der Gräfin Althan scheint hierin auch die Gräfin Barbara Wildenstein (1705 bis 1774) als Bibliohtekarin auf. 

 

Gemäß dem Aufhebungsprotkoll befanden sich die Bücher im „eingeaugeten Zimmer“, somit einem Zimmer mit Ochsenaugen, welche dem zweiten Vorzimmer im Schloss Herrenchiemsee gleich kamen. Diese waren ein beliebtes Ornament der Rokokozeit, und dürften wohl unter der Äbtissin Maria Henrica von Poppen (1709 bis 1778, Äbtissin von 1751 bis 1778) angebracht worden sein, da diese kunstsinnige Dame aus schlesischem Adel viel für die Verschönerung und Auszierung der Abtei machen ließ und sich selbst in hohem Maße künstlerisch betätigte.

 

Weiters berichtet hierzu das Aufhebungsprotokoll zur Rubrik „Bibliothec“: Besizet dieses Stift keine, die hienach in dem sogenannten eingeaugeten Zimmer im Convent verschiedentlich vorgefundenen alte Gebett- und Lesebücher, wie auch Mihsalen und Brevier sind ohnbeschriebenen indessen in drey Trüchen verwahrlich deponiret, weil solche durchgängig von keiner Erheblichkeit sind!

 

Es schien somit ein wohl aussichtsloses Unterfangen zu sein, sich auf die Suche nach der Gösser Stiftsbibliothek zu machen. Dennoch begab ich mich auf eine Spurensuche nach Büchern, die aufgrund ihrer Besitzvermerke eindeutig der einstigen Gösser Stiftsbibliothek zugeordnet werden können. Neben eindeutigen Besitzvermerken für das Kloster Göss im Folgenden die Bücher mit Besitzvermerken von Gösser Stiftsgeistlichen und anderen dem Stift verbundenen Personen und Amtsträgern:

 

Bücher mit Besitzvermerken des Stifssupremus Johannes Haselbrunner (gest. 1546):

 

1 Homiliae hoc est Conciones populares sanctissimorum ecclesiae doctorum Hieronymi, Ambrosii, Augustini, Georgii, Originiis, Johannes Chrysostomi, Bede presbyteri, Maximi episcopi et aliorum. Basel, 1516. Druck Johannes Frobenius. M. Johannes Haslbrunner, 1521, 12. May. Liber in Göss. Ledereinband mit Holzdeckel, Prägung mit Ranken- und Rautenmotiven.

 

2 Breviarium supertotum corpus iuris Canonici. Johannes Haslprunner, 1529. Ledereinband mit Holzdeckel, geprägt mit Rankenmotiven. 

 

3 Hieronimi: Expositia sacrarum scripturarum. Joannes Haslbrunner companis. Ins Closter Göß geherig. Der Ledereinband ist mit Lilien, Rauten und Karos, welche Greife enthalten, geschmückt. Am Buchrücken drei Rosen.

 

4 Hugo. Postiliae in Epistolas S. Pauli. Seprima pars hui operis continens postillam divi Hugonis Cardinalis super Epistolas Pauli. 1502. Sum domum Johannis Haslprunner. Ins Closter Göß geherig. Ledereinband mit Hirschen und Menschenfiguren.

 

5 Hugo. Postillae vetus Vest … Tertia pars hui operis continens domini Hugonis Cardinalis. Sum domum Joannis Haslprunner. Ins Closter Göß geherig. Ao 1649. Ledereinband mit Rosen und Ranken.

 

6 Hugo. Postillae in Prophetas. Quinta pars huius operis in se continens postillas domini Hugonis Cardinalis. Sum domum Joannis Haslprunner. Ins Closter Göß geherig. Lederinband mit Rahmen und Rosen. In der Mitte des Vorder- und Hintereinbandes ein großer Metallbeschlag.

 

7 Divinum Petri Hieremie Opus. Sum domum Joannis Haslprunner nunc sum Göss Capellani. Ad usum R. R. D. Capellani Göss. Zahlreiche unleserliche Notizen auf den ersten beiden Seiten des Einbandes. Ledereinband mit Rankenmotiven.

 

8 Speculum Aureum fratris Heinrici Herp de perceptis divine legis. Joannis Haslprunner Companus. Ins Closter Göß geherig. Einband mit Rankenmotiven.

 

9 Tertia pars operum beati Ambrosii Episcopi Mediolanensis. Joannis Haslprunner Supremus capellanus in Göss. Ins Closter Göß geherig. Einband mit Rankenmotiven.

10 Decretalum copiosum argumentum. D. Francois Fradin. Joannis Haslbrunner. Joannes Haslbrunner junior 1539. Ins Closter Göß geherig. Bucheinband aus braunem Samt.

 

11 Christophori Poresena Romano interprete. Thephylacti Archiaepiscopi Bulgariae. D. Eucharius Cernicornus, 1538. Joannis Halsprunner. 5 Gulden 71 Denare 1528. Ledereinband mit kaum noch erkennbarem Rankenmuster.

 

Bücher aus der Bibliothek des Benediktinerinnenstiftes Göss, geordnet nach Erscheinungsjahren:

12 Rhetoricarum M. Tulli Ciceronis ad Herennium Libri III. Buch II. Lyon, 1533. Bibliotheca Gössensis. Sehr schöner Ledereinband. Auf der Vorderseite „Rhetorica Ciceronis“ eingeprägt. Am Rand des Einbandes mehrere Medaillons mit Männerköpfen. Im Inneren des Einbandes zahlreiche Notizen.

 

13 Melchior Kling: Jureconsulti Clarissimi, in quator Institutiorum Juri Principis  Justiniani libros Ennarrtationes. Lyon, 1507. Ex Libris Bibliotheca Gössensis. Ex Libris Bibliotheca Gössensis MDLXV 12. Jan. Gösser Stiftswappen eingezeichnet.

 

14 Donatus Acciaioli: Aristoteles Stagiritae Peripateticorum Princips Ethicorum ad Nicomachum libri decem. Lyon, 1559. Ins Closter Göß geherig. Ex libris Johannes Adriany von Grafenegg. Ledereinband mit kaum noch erkennbaren Medaillons, in welchen Männerköpfe erkennbar sind. Auf der Vorderseite des Ledereinbandes ist die Jahreszahl 1684 eingeprägt.

 

15 Dominicus Aegid. Topiar: Conciones in Epistolas et Evangelia. Antwerpen, 1573. Ad usum monastery Gössensis. Auf den ersten beiden Seiten zahlreiche unleserliche Eintragungen. Grauer Ledereinband mit den Symbolen der vier Evangelisten und mehreen Männerköpfen. Zwei Schließen.

 

16 Thomas a Kempis: De Imitatione Christi. Graz, 1604. Ex Libris M. Christopheri Mülneri. Bibliotheca Gössensis .. ac Erudito Deo Christophoro Mülneri, amico optimopius ad religiosum libellum .. offert F. Gregory Felbig. Cartherais Gössensis. In einer elliptischen Vignette am Einband der gekreuzigte Heiland.

 

17 Vincenti Bruni, IHS: Medidatione de Prae Mysterius Vita & Passionis D. N. Jesu Christi. Pars Prima. Köln, 1608. Christoph Molitor ad S. Viti 1646. Ex libr. Andrae Landtner hier in Göß. Ex libr. C. Molitory. Ledereinband mit Rankenmotiven. 

 

18 Quadri partiae Conciones Stanislai Grodicici, IHS. Teile I bis V. Ingolstadt. Teile I, II und IV 1610, Teil III 1609 und Teil V 1611. I Monastery Gössensis, II Bibliotheca Gössensis Ao 1645 Ex. libr. Christophori Molitori ad S. Viti, III Bibliotheca Gössensis Ao 1645 Ex lib. Christophori Molitori ad S. Viti, Teil IV wie Teil III und Teil V ohne Exlibris des Stiftssupremus Molitor. In Teil III und IV auf den Seiten 326 bzw. 108 ein zusammengefaltetes Lesezeichen. Graue Ledereinbände mit Ranken.

 

19 Joanne Chapeaville: Tractatus de Casibus Reservati. Leon, 1614. Erat me M. Christophory Molitory 1 Gulden 3 Denare 6 Kreuzer. Ex libris Monastery Gössensis. Ledereinband mit Ranken, darin die drei Buchstaben MCS und die Jahreszahl 1615 eingeprägt.

 

20 Ludovico Mianda, OFM Observant: Manuale Praelatorum Regularium. Köln, 1617. Ex libris Christophori Matthei Mulneri a. S. Vitum, nun Bibliotheca Gössensis Ao1646. Ledereinband mit Ranken und Eicheln.

 

21 Matthias Fabrius: Concionum Opus Tripartitium, Pars I. Ingolstadt, 1631. Ex libris Jacobi Hierzegger, Leopold Unger  Capellani Gössensis – beide Exlibris durchgestrichen. Petri Pistori Capellani Troffaiach 775. 3 Gulden 45 Kreuzer. Ledereinband mit Ranken, ein nur noch schlecht erkennbares IHS – Emblem.

 

22 Gregor Ferrarium, IHS: Vita Spiritualis. Ex Libris Luca Andrea Faber Sacellari in Göss 1637. Cartheranis Gössensis. Am Buchrücken ist der Kesselring, das Gösser Stiftswappen, aufgeprägt.

 

23 Hieremias Drexel IHS: Omnia Opera. Mainz, 1651. 2 Bände. Sum Bibliotheca Gössensis. Ex Libris Lucas Andreae Faber Capellani Gössensis 1673. Ex Libri Domini Christophori Fabri Anno 1659. Einband mit Rankenmotiven und IHS – Emblem.

 

24 Antonius Poosevini: Moscovia. Wilna, 1636. Ex Libris Bibliotheca Gössensis. Ex lib. M. J..ana a Neystell – durchgestrichen. Ex libris M. Augustini Khugleri Crumblowensis 1608 Lambachii. Daneben der Gösser Kesselring gezeichnet. Ledereinband mit Rankenmotiven.

 

25 Tobias Eckhardt OFM: Festivale ad Dominicale Secundum. Himmlischer Compaß für die Geistliche Steurleute Christlicher Seelen – Schiff – Fahrt. Nach der Lehre des Gottseligen P. Viti Fabrii. Würzburg, 1640. Monastery Gössensis 1693. Ex Biblitoheca Gössensis. Weicher Einband aus gelbem Leder.

 

26 Thomas Heinrich: Catena Biblica. Luzern, 1642. Bibliotheca Monastery Gössensis. Emit hung Librum Domina, Domina Maria Joanna Comtissa a Kollonitsch Abbatissa huius Monastery Gössensis Ao 1653, 3 Gulden 40 Kreuzer. Grauer Ledereinband mit Ranken und IHS – Emblem.

 

27 Joannis Osori IHS: Tomus Primus Concionum. Lyon, 1644. Nunc Bibliotheca Gössesnis Ao 1646. Brauner Ledereinband mit Rankendekor und mehreren Medaillons mit Männerköpfen.

 

28 Antonius de Escobar: Liber Theologiae Moralis. München, 1646. Bibliotheca Gössensis. Ledereinband mit nur noch schlecht erkennbarem Rankendekor.

 

29 Matthias Fabrius: Concionum Opus Tripartitium, Pars Prima. Köln, 1649. Ex Bibliotheca Gössensis DD. Capellani 1726. Nunc sum ex libris Joannes Ferdinandi Walner Capellani Gössensis 1646 – durchgestrichen.

 

30 Rituale Salisburgense. Salzburg, 1657. Am Buchrücken ist der Gösser Kesselring, das Stiftswappen, aufgeprägt. Ledereinband mit Rankenmotiven und IHS – Emblem. Fünf Lesezeichen aus grüner Seidenschnur.  

 

31 Hermann Busenbaum: Medulla Theologiae Moralis. Kloster Westphalen, 1659. Ex lib. M. Matthei Leitner. Gösser Bibliothek.

 

32 Johannes Thauler OFM: Lehr- und Geistreiche Predigten auf alle Sonn- und Feyertage durchs ganze Jahr. Köln, 1660. Sum ex libris Christophori Fabri – ad S. Gallum 1661 – durchgestrichen. Ex libris Lucas Andrae Faber 1685.

 

33 Sancti Thomae a Villa Nova, Augustinereremit: Concionum Sacrarum, Tomi II. Köln, 1661. Ex libris cura Luca Andres Faber Sacelli Göss 1671. Bibliotheca Gössensis. Ledereinband mit IHS – Emblem.

 

34 Catechismus Romanus ex Decreta Concilii Tridentini & Pii V. Köln, 1663. Catechismus Romanus Josephus Kriechbaum Superior Bernardus Starck. Weicher Ledereinband mit den folgend eingeprägten Buchstaben und Zahlen: R D G A A bzw. 1 6 6 7.

 

35 Aloisius Juglaris IHS: Hortus Quadragesimalis sive Discursus Pradedicabilis. Mainz, 1667. M. Gregory Maximilian Parochi Leobiensis 1669 – durchgestrichen. Nunc ex Libris Luca Andreas Faber Sacellari Gössensis 1676. Ledereinband mit IHS – Emblem.

 

36 Benedikt Fischer, Prömonstratenserchorherr: Centifolium Mysticum. Das ist Hundert Predigten über die Heilige Meß. Nürnberg, 1669. Closter Göß in die Bibliothec gehörig. Unleserlicher Eintragaus dem Jahre 1672. Ledereinband mit IHS – Emblem.

 

37 Franz Seitelin: Agricultura Spiritualis oder Geistliche Feldtbau. Teil III. Salzburg, 1567. Ex libris Lucae Andrae Faber 1685 – durchgestrichen. Monastery Gössensis.

 

38 Georg Christian Krieg: Geistliche Zeughaus, Teil I. Mergentheim, 1693. Ex libris Jacobi Josephi Lederer SS Theolog. Bacc. Fomri. et Sacellari Göss 1694. Ex Bibliotheca Gössensis.

 

39 Nicolai: Avoncini. Köln, 1693. Leopoldi Unger Sacellary Göss. Ad usum P … 1731 – durchgestrichen.

 

40 Johannes Nicolai: Sancti Thomae Aquinatis, Exposito Continua super quartor Evangelista. Heidelberg, 1704. Leopold Unger Capellani in Göss. Blauer Einband aus Papier. Starker Pilzbefall.

 

41 Joseph de Barzia: Compendium Exicatoris Christiani. Köln, 1714. Leopold Unger Capellani Göss.

 

42 Ildefons de Andrade: Operaribus Evangelicus sive Industriae ad Ministerium Apostolicam. Wien, 1732. Leopold Unter Capellani Monastery Gössensis.

 

43 Geographica Globi Terraquei Synopsis. Udine, 1732. Leopold Unger Capellani Göss. Auf der ersten Seite die Zeichnung eines komischen Gesichtes mit einer sehr langen Nase.

 

44 Anaclet Reiffenstuel: Theologiae Moralis. Venedig, 1736. Leopold Unger Capellani in Göss.

 

Bücher ohne Jahreszahlen:

45 Homiliae SS. Doctorum Super quartor Evanelaia, 15. oder 16. Jahrhundert. Ins Closter Göß geherig. Ledereinband mit Holzdeckeln, Rankenmotive. Auf beiden Seiten je fünf Metallbeschläge.

 

46 Vocabularibus Juris utriusque. Ende 15. oder Beginn 16. Jahrhundert. Ins Closter Göß geherig. Im vorderen Einband Wasserzeichen mit einer Waage. Laut Einlageblatt aus 1494. Einband mit Rankenmotiven und Hunden.   

 

47 Repertorium alphabeti. Ende 16. Jahrhundert. Ins Closter Göß geherig. Ledereinband mit Rankenmotiven sich gegenseitig verfolgender Hunde.

 

48 Vita Christi. 16. Jahrhundert. Ins Closter Göß geherig. Ledereinband mit Rankenmotiven, darin ein Rahmen mit drei Doppeladlern in Rauten. Auf beiden Seiten je fünf Metallbeschläge. Am Buchrücken ist der Kesselring, das Gösser Stiftswappen, aufgeprägt.

 

49 Sermones Roberti de Sanctis. Bibliotheca Gössensis 1645. Ledereinband mit Ranken- und Blumenmotiven. Laut Einlageblatt auf das Jahr 1490 zu datieren.

50 Summa de exemplis ac similitudibus rerum noviter impressa. Bibliothek Göss geherig 1645. Ledereinband, darauf fünf Rosen eingeprägt. 

 

51 Exegis Epistolae D. Judae Apostoli Theologica, Catholica, Moralis. Bibliotheca Gössensis Ao 1649. Dieses Buch ist in zwei Seiten einer alten Handschrift eingebunden.

 

52 De Animantibus Scripturae Sacrae Vere. Nunc Bibliotheca Gössensis. Anno 1649. Sum Ego 1606 Matth. E…. Einband mit Rankenmotiven und leeren Medaillons.

 

53 Matthias Farniator: Liber moralitatum elegantissimus magnarum rerum naturaliu. Bibliotheca Gössensis 1649. Ins Closter Göß geherig. Hic liber Veterrini authori Juveriley praedicatoriby perutilis. Author huius LIbri es Eimius ac Clarissimus Pater F. Mathias Farniator Theologiae Doctor Ordinis B. M. Virginis de Carmello. Ledereinband mit Rauten, kleinen Schriftrollen, Blättern, Rosen und den Symbolen der vier Evangelisten. Der Druck des Einbandes erfolgte auf der Rückseite seitenverkehrt, sodass bei Betrachtung der Rückseite der gesamte Buchschmuck auf dem Kopf steht. Ende 15. oder Beginn 16. Jahrhundert.

 

54 Hugo. Glossar super quarta Evangelia. Closter Göß geherig 1695. Ex libri M… Hahn … SPA 1584. Ins 16. Jahrhundert zu datieren. Ledereinband mit Rautenmotiven, Granatapfel, Blumen und Lilien.

 

55 Hugo. Glossar super quarta Evangelia. Ins Closter Göß geherig. Monastery Gössensis utebatum hoc Libro Simon Lampacher Capelany huius loci 1698. Ledereinband mit Pflanzenornamenten und sich verfolgenden Hirschen und Hunden. Ins 16. Jahrhundert zu datieren.

 

56 Nikolaus von Lyra OFM: Prima Pars de Omnia Opera. Ins Closter Göß geherig. Ledereinband mit Blumenornamenten. Ende 15. oder zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu datieren.

 

Folgende Bücher aus der Stiftsbibliothek Göss befinden sich im Museum sacrum der Stadtpfarre St. Xaver in Leoben:

57 Magnus Speculum Exemplarum. Köln, 1673. Ex libris Josephi Hierzegger Capell. Gössensis.

 

58 Peter Rato: Hortus Floridissimus. Mainz, 1671. Ex libris … Simoni Vicarys et Sacellari in Göss 1692.

 

59 Benedictus Perenis: De communibus omnium rerum Principis et Affectibus. Köln, 1595. Nunc … Gössensis.

 

Folgende Bücher aus der Stiftsbibliothek Göss befinden sich in der Bibliothek des Redemptoristenkloster in Eggenburg bei Horn: Der Vollständigkeit sind auch die Eggenburger Signaturen angegeben.

 

60 Augustinus de Civitate Die cum commento. Bibliothecae Gössensis Ao 1649. Handschriftlicher Eintrag „Venedig 1489“. Ex Libris C.SS.R. Domus Mauterensis aus Mautern eingeklebt. Abgerissener Ledereinband mit Rankenmuster. Signatur Pat. 1U10.

 

61 Omnium Operum Divi Aurelii Augustini. Köln, 1542. Ac planoserium Gössensis spectans 1659. Mauterner Exlibris, durchgestrichenes und unleserliches Exlibris aus 1595. Holzdeckel mit Ledereinband und Rankenmuster. Signatur Pat. 1U11.

 

62 Quarta pars libroru divi Aurelii Augustini. Exlib. Monastery Gössensis 1650. Mauterner Exlibris Rankenmuster am Einband über Holzdeckel. Ebenso bei Buch V, VII und VIII. Buch V ist in einen neueren Einband eingebunden worden. Signatur PatU13IV.

 

63 Humberti quinti generali sacrosanti ordinis praededicator magistri sermones ad diversos status. Ins Closter Göß geherig. Sum Joannis Haslprunner in … supremi plebanum. Auf dem Einband zahlreiche unleserliche Eintragungen. Mauterner Signatur. Signatur Conc. 1,01.

 

64 Sermones sancti Vincentii fratris ordinis paedrcatorum de tempore. Pars hiemalis. Ins Closter Göss geherig 1650. Neuerer Einband. Signatur Conc. 1U35IV.

 

 

 

Fundort einiger Bücher mit Besitzvermerken der Gösser Stiftsbibliothek: Das Redemptoristenkloster in Eggenburg bei Horn in Niederösterreich. Über die Redemptoristenklöster von Leoben und Mautern kamen einige Bücher der Gösser Stiftsbibliothek ins ferne Waldviertel.

 

Personen, die in den Exlibris der einstigen Sitftsbibliothek Göss genannt werden:

 

# Stiftssupremus Johannes Haselbrunner, gest. 1543: Die besonders enge Beziehung dieses äußerst verdienstvollen Supremus von Göss zeigt sich in der Stiftung zahlreicher Bücher und einer silbernen Monstranz und Hinterlassenschaften von Geldbeträgen an die Kellnerin und Kapellanin des Klosters. Sein Grabstein mit dem Wappen (ein Haselstrauch) ist noch heute in der Gösser Pfarrkirche, der einstigen Klosterkirche, zu besichtigen. In einem Exlibris wird auch sein gleichnamiger Sohn genannt.

 

# Äbtissin Maria Johanna Gräfin Kollonitsch (1602 bis 16587, von 1640 bis 1657 die 34. Äbtissin von Göss): Am 10. Juli 1602 in der Untersteiermark als Tochter von Lutheranern geboren, konvertierte sie mit 19 Jahren zum Katholizismus und trat im Jahre 1623 in die Abtei Göss ein. 1626 legte sie die ewige Profess ab und ließ in Göss im Jahre 1651 ein zweites Konventgebäude und die Sakristei anschließen und auszieren. Ihr Grabstein befindet sich auf der rechten Seite am Eingang in die Stiftskirche in die Wand eingelassen.

 

# Pater Marcellinus Preimann (1607 bis 1659): Am 2. Juni 1652 begann dieser Admonter Profess im Auftrage der Gösser Äbtissin Kollonitsch mit der Abfassung der Stiftschronik aufgrund der damals noch zur Gänze vorliegenden Urkunden und Dokumenten. Im Jahre 1655 rief ihn der Admonter Abt wieder ins Ennstal zurück. 

 

# Christoph Matthäus Molitor (gestorben 1645): Seit dem Jahre 1618 als Stiftssupremus im Amte, zog er sich aus Gesundheitsgründen auf seine Pfarrei St. Veit am Veitsberg zurück, wo er 1645 verstarb. Der teure Leichnam  wurde mit großem Trauerkondukt nach Göss zurückgeführt, der Grabstein dieses so verdienstvollen Stiftsgeistlichen befand sich einst beim Aufgang auf den Nonnenchor.

 

# Stiftssupremus Bernhard Starck (1698 bis 1748, Surpemus von 1736 bis 1748): Der gebürtige Salzburger trat 1722 in Stift Admont ein und war vor seiner Tätigkeit in Göss von 1734 bis 1736 Pfarrer in St. Michael gewesen.

 

# Lucas Andreas Faber und Leopold Unger: Zwei Kapläne, die in mehreren Büchern als Eigentümer derselben genannt werden, über deren nähere Lebensdaten jedoch nichts bekannt ist. Kaplan Faber ist gemäß seinen Exlibris Vermerken zwischen den Jahren 1659 bis 1685 nachweisbar. Leopold Unger war in der Mitte des 18. Jahrhunderts Pfarrer von Maria am Waasen. Diese Kirche war dem Stift Göss inkorporiert.

 

Fazit:

Von einer nie existierenden bzw. durch die Josephinische Aufhebungskommission in alle Winde zerstreuten Klosterbibliothek insgesamt per Exlibris – und Besitzervermerken 64 Stück namhaft machen zu können, ist doch ein beachtliches Ergebnis.

 

Wozu wurde der beträchtliche intellektuelle Aufwand deren Existenz völlig zu verschleiern eigentlich betrieben? 

 

Hat es vielleicht damit zu tun, dass die Nonnen von Göss bereits seit dem 12. Jahrhundert über spezielle bibliophile Fähigkeiten verfügten, die Nonnen und Mönche anderer Konvente nicht hatten? So gab es im Jahre 1188 in Göss die Nonne Perchta, die eine durch Brand beinahe völlig zerstörte Urkunde wieder rekonstruieren und herstellen konnte.  Die hoch gebildeten Chorfrauen der Abtei Göss wussten die Urkunde bezüglich der Erbrechte an der Kapelle St. Walburga bei St. Michael an das Kloster wieder herzustellen. 

 

Es stellt die wichtige Frage, wieso niemand etwas von der Existenz einer derartigen Büchersammlung im Stift Göss wissen sollte? Welches Wissen hielten die dortigen Chorfrauen dort gesammelt in der Klausur ihres Klosters versammelt? Ist es nicht auch geradezu verdächtig, dass die Josephinischen Aufhebungskommissär selbige auch für wertlos befanden bzw. deren realen Wert zu erkennen nicht in der Lage waren.

 

Einige wenige Fragmente – insgesamt 64 Stück – konnte ich aufgrund der Besitzvermerke wieder namhaft machen und eine eindeutige Zuweisung in die Bibliothek des ältesten Klosters der Steiermark treffen. Über deren Zusammensetzung lässt sich feststellen, dass das Gros davon der Patristik und der moralischen Erbauung wie auch dem Chorgesang zuzurechnen sind. Doch war vielleicht genau dies der erklärte Zweck der Gösser Bibliothek – der geistigen und intellektuellen Rüstkammer – zur Hebung der Moral und Lebensführung in höherem Sinne beizutragen.

 

Und dies in einer Abtei, die zugleich die Älteste des Kronlandes Steier war und diesen Auftrag beinahe 800 Jahre lang getreulich ausführte? Wer kann es schon mit Sicherheit sagen oder gar negieren? Ich nicht !

 

 

 

Von Dr.Peter Kneissl 

Quellen:

# Diözesanarchiv Graz, Faszikel XIX b. Visitationsakten der Benediktinerinnenabtei Göss.

# ÖNB Wien. Gösser Urbar, 1459 bis 1462 im Auftrage der Äbtissin Anna von Herbersdorf angelegt.

# STLA Graz, Staatsbuchhaltung Faszikel 38. Darin das Aufhebungsprotokoll der Benediktinerinnenabtei Hl. Maria und Hl. Margaretha zu Göss durch  Kaiser Joseph II. am 21. März 1782.

# Chronik der Benediktinerinnenabtei Göss. Angefertigt von P. Marcellinus Preimann im Auftrage der Gösser Äbtissin Maria Johanna Gräfin Kollonitsch ab dem 2. Juni 1652.

 

Literatur:

# Appelt, Heinrich: Das Diplom Kaiser Heinrichs II. für Göss vom 1. Mai 1020. Graz, 1953.

# Caesar, Aquilinus Julius: Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthums Steiermark, Band III. Graz, 1786.

# Kneissl, Peter: „Ins Closter Göss geherig“ – Untersuchungen zur Gösser Stiftsbibliothek. In: Kaindl, Heimo (Hg.): Stift Göß. Graz, 2004. S. 123 bis 125.

# Kneissl, Peter: Feine Gebeine. Der Gösser Märtyrer Felix. Kollektiv.org von 20. März 2018.

# Naschenweng, Hannes P.: Hinter Klostermauern. Die Nonnen von Göss in der Barockzeit. Ihr Leben, ihre Geheimnisse. Knittelfeld, 1997.

# Pelikan, Berta: Geschichte des Benediktinerinnenstiftes Göß bei Leoben in Steiermark von der Gründung bis zur Aufhebung. Graz, 1924.

# Pock, Franz: Religiöses Leben und klösterliche Disziplin in der Nonnenabtei Göss in der Zeit von 1519 bis 1620. Diplomarbeit. Graz, 1970.

 

# Theußl, Josef: Die Äbtissinnen zu Göß. Band II – 1602 bis 1782. Graz, 1897/98. 

 

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